In vielen Unternehmen gibt es einen blinden Fleck: Man glaubt, Entscheidungen würden dann entstehen, wenn jemand sie trifft.
In der Realität entstehen sie auch dann, wenn niemand aktiv entscheidet.
Nicht-Entscheiden ist keine Neutralität

Dort, wo Führung zögert, passiert etwas, was häufig lange unbemerkt bleibt: "das System" entscheidet. Unweigerlich. Ohne Management-Freigabe.
Wenn Personalentscheidungen vertagt werden, weil sie unbequem sind, rechtlich komplex, oder emotional belastend, passiert das Gleiche:
👉 Das Vakuum füllt sich eigendynamisch.
Und zwar mit dem, was verfügbar ist:
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mit der lautesten Stimme im Raum
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mit informellen Machtverhältnissen
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basierend auf Präzedenzfällen („So haben wir es letztes Mal gemacht“)
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oder schlicht: dem Zufall.

Auf den ersten Blick wirkt das Problem gelöst. Die Lücke ist augenscheinlich gestopft. Man könnte denken: "Klasse, das Problem hat sich in Luft aufgelöst".
Nur eben ohne Klarheit, ohne Verantwortungsübernahme und ohne Lernfähigkeit.
Was „das System“ in der Praxis entscheidet
Gerade bei Personalfragen zeigt sich das besonders deutlich:
1. Trotz Low Performance bleiben Rollen besetzt
Aus Angst vor schwierigen Gesprächen oder Abfindungszahlungen wird eine offensichtliche Fehlpassung „mitgeschleppt“. Die Organisation entscheidet implizit: Wir akzeptieren Minderleistung.
Dieser Eindruck hat nachhaltige Wirkung auf das Team. Leistungsträger müssen kompensieren. Die Motivation sinkt. Die besten Mitarbeiter ziehen ihre Konsequenz und entscheiden sich für bessere Optionen.
2. Verantwortung diffundiert
HR berät. Legal prüft. Führung hofft. Am Ende fühlt sich niemand zuständig – und genau das wird zur Regel.
3. Teams ziehen ihre eigenen Schlüsse
Mitarbeitende beobachten sehr genau:
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Wird gehandelt oder ausgesessen?
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Gibt es Kriterien oder Willkür?
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Wird erklärt oder geschwiegen?

Fehlt die Entscheidung, entsteht Interpretation. Und Interpretation lässt sich nicht steuern. Sie sitzt selbst im "Driver Seat".
Nicht entscheiden ist gefährlicher als „falsch“ entscheiden
Viele Führungskräfte fürchten die Fehlentscheidung. Doch Studien zeigen: Die größten Schäden entstehen nicht durch falsche Entscheidungen – sondern durch Entscheidungen, die unbemerkt und ohne Verantwortlichkeit entstehen.
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Verzögerte Personalentscheidungen führen zu messbaren Produktivitätsverlusten bei den Betroffenen und im Team (Leadership IQ).
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Das Vertrauen der verbleibenden Mitarbeitenden sinkt signifikant, wenn Entscheidungen als unfair oder intransparent wahrgenommen werden (Culture Amp / HBR).
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Unklare Verantwortlichkeiten erhöhen Konfliktdauer und Eskalationskosten erheblich (PwC / Europa-Universität Viadrina).
Das Paradoxe: Diese Kosten tauchen selten gebündelt auf. Sie verteilen sich über Linien-, HR- und Strategiebudgets – und bleiben dadurch unsichtbar.
Das System entscheidet also nicht nur. Es tarnt die Folgen seiner Entscheidungen.

Warum gerade strukturierte Organisationen besonders betroffen sind
Ironischerweise trifft dieses Phänomen besonders häufig Organisationen,
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mit hoher Mitbestimmung
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mit starkem Legal-Fokus
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mit ausgeprägter Konsenskultur
Alles Eigenschaften, die als vorbildlich gelten.
Kurzfristig jedoch führen sie oft dazu, dass:
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Entscheidungen so lange abgestimmt werden, bis die Verantwortlichkeit unklar ist.
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Verantwortung zwischen Rollen zerrieben wird.
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Tempo durch Absicherung ersetzt wird.
Laut Studien fehlen in über zwei Dritteln der Unternehmen klare, systematische Entscheidungsprozesse für Personalfragen – mit Verzögerungen von mehreren Monaten sind die Folge (Kienbaum; von Rundstedt).

Was Organisationen wirklich brauchen: Entscheidungsarchitektur
Das Gegenmittel ist nicht mehr Mut. Und auch nicht mehr Daten.
Was fehlt, ist Struktur.
Eine Entscheidungsarchitektur, die:
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Alternativen explizit macht
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Kriterien transparent definiert
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Verantwortung klar zuordnet
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Entscheidungen dokumentiert und vergleichbar macht
Genau hier setzt der TransFair Navigator an.
Nicht als Tool, das Entscheidungen „automatisiert“. Sondern als System, das verhindert, dass sie unbemerkt vom System selbst getroffen werden.

Entscheiden, bevor das System es tut
Der TransFair Navigator unterstützt Organisationen dabei, Personalentscheidungen systematisch entlang klarer Handlungsoptionen zu bewerten:
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Entwickeln
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Verändern
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Trennen
Für jede Option werden:
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wirtschaftliche Auswirkungen
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rechtliche Risiken
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organisatorische Konsequenzen
transparent gemacht und dokumentiert.
Der entscheidende Unterschied: Entscheidungen werden explizit, bevor sie implizit wirksam werden.
Das schützt:
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Führungskräfte vor Entscheidungsparalyse
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HR vor Haftungs- und Eskalationsrisiken
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Organisationen vor teuren, unsichtbaren Folgekosten
Und vor allem: Es holt Verantwortung dorthin zurück, wo sie hingehört – zum Menschen.
Fazit: Der TransFair Navigator ersetzt keine Entscheidung – er verhindert, dass sie verdrängt wird.
Wenn niemand entscheidet, entscheidet immer etwas anderes. Und dieses „etwas“ ist selten fair, lernfähig oder strategisch sinnvoll.
Zukunftsfähige Organisationen zeichnen sich nicht dadurch aus, immer die richtige Entscheidung zu treffen.
Sondern dadurch, Entscheidungen rechtzeitig, nachvollziehbar und mit Verantwortung zu treffen – bevor das System Ihnen zuvorkommt.
Autoren: Andreas Schmitz, Oliver Thum, Anke Paulick, Franziska Heger
Quellen (Auswahl)
- •
Leadership IQ (2023): Don’t Expect Layoff Survivors To Be Grateful
- •
Culture Amp & Harvard Business Review (2023/2024): The long-term costs of layoffs
- •
Kienbaum Consultants International (2016): Trennungsmanagement 4.0
- •
von Rundstedt & Handelsblatt Research Institute (2024): Workforce Transformation Studie
- •
PwC & Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (2016): Konfliktmanagement in der deutschen Wirtschaft
- •
Gallup (2024): State of the Global Workplace

